Sonntag, 25. September 2016

Rezension: Delirium

Autor: Lauren Oliver
Verlag: Carlsen
Preis: 8,99€ 
Buchlänge: 416 Seiten


Früher, in den dunklen Zeiten, wussten die Leute nicht, dass die Liebe tödlich ist. Sie strebten sogar danach, sich zu verlieben. Heute und in Lenas Welt ist Amor Deliria Nervosa als schlimme Krankheit identifiziert worden. Doch die Wissenschaftler haben ein Mittel dagegen gefunden. Auch Lena steht dieser kleine Eingriff bevor, kurz vor ihrem 18. Geburtstag. Danach wird sie geheilt sein. Sie wird sich nicht verlieben. Niemals. Aber dann lernt sie Alex kennen. Und kann einfach nicht mehr glauben, dass das, was sie in seiner Anwesenheit spürt, schlecht sein soll.

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Die Liebe eine Krankheit? Eine interessante Idee, die die Autorin sich hier zurechtgelegt hat, aber mir war von Anfang an klar, dass es sich dabei nur um ein Hirngespinst derer Menschen handeln kann, die denken, dass Rationalität und eine rein wissenschaftliche Ansicht der Dinge Ordnung und Frieden in das Leben der Menschen bringen kann.
In Lenas Welt hat man eine Operation gefunden, die es den Menschen beinahe unmöglich macht zu lieben, oder auch nur ein anderes tiefgehendes Gefühl zu empfinden, wie ich mitgekriegt habe. Lenas Eingriff, bei der auch bei ihr die "Krankheit" am Ausbrechen gehindert werden soll. Unvorstellbar, für mich zumindest, aber in Lenas Welt vollkommen normal. Wie es wohl ist keine Freude mehr zu empfinden, keine Liebe? In diesem Buch bekommen wir zumindest teilweise eine Antwort. Die Menschen sind distanziert und ihr Leben wird von Regeln und noch mehr Regeln bestimmt. So ein Leben würde ich nicht führen wollen. Aber Lena ist daran gewöhnt und nachdem ihre Mutter von der Krankheit infiziert wurde, kommt ihr die rettende Operation fast wie ein Segen vor. Aber dann begegnet ihr Alex zu Beginn des Sommers und er zeigt ihr, wie schön das Leben doch sein kann, wenn man sich einen Dreck um unsinnige Regeln kümmert und es zulässt. Die Liebe zulässt, die unser Leben bereichert.

Liebe: Sie bringt dich um, aber sie rettet dich auch.

Lauren Oliver ist mit diesem Buch ein spannender Auftakt zu einer Trilogie gelungen, der mich neugierig gemacht hat, wie es mit Alex und Lena weitergeht, nach diesem fiesen Cliffhanger, mit dem dieser Band endet. Aber man muss sagen, dass Dystopien sich in ihrem Handlungsverlauf nicht groß voneinander unterscheiden, zumindest tun das nur wenige, und Delirium ist da leider auch keine Ausnahme. Der Staat verhängt irgendwelche Regeln und Gesetzte und die Protagonistin merkt im Verlauf des Buches, dass alles nur Lug und Trug ist. Und dann hat sie die Erleuchtung.
Leider muss ich auch sagen, dass Lena mir zeitweise auf die Nerven ging. Erst ist sie für die Operation, dann kommen ihr Zweifel, dann ist sie wieder dafür, dann dagegen...

Aber wenn man das außer Acht lässt, bietet das Buch und seine Geschichte gute Unterhaltung und einen Einblick, den man vorher vielleicht nicht hatte. Haben wir Glück damit, dass wir fühlen und somit auch verletzt werden können? Oder nicht? Ich finde schon, denn dadurch haben wir die Chance Freude in unserem Leben zu erfahren, wie es uns sonst vielleicht nie möglich wäre.
Der Schreibstil der Autorin führt einen flüssig durchs Buch und an beinahe gar keiner Stelle habe ich das Buch beiseite gelegt, weil es mir zu langweilig wurde. Die Handlung schreitet voran, ohne zu rennen, und die Eigenschaften der Charaktere sind gut gewählt. Sie haben alles etwas gemeinsam, aber jeder ist auf seine individuelle Art einzigartig.
Auch hat die Autorin es geschafft mich immer wieder zu überraschen, zumindest teilweise. Denn manches war dann doch sehr offensichtlich.

Nichtsdestotrotz ein gelungenes Werk, dass mir einige schöne Stunden beschert hat. Anfangs war ich skeptisch, deswegen hat es auch eine Weile gedauert, bis ich mich wirklich an das Buch herangetraut habe, aber es hat sich für mich gelohnt.

Für dieses Buch vergebe ich 4 von 5 Sterne.

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