Samstag, 17. September 2016

Rezension: Kein Kuss wie dieser

Autor: Tanja Voosen
Verlag: Calsen
Preis: 3,99€
Buchlänge: 360 Seiten


Auf Partys mit fremden Typen rumzuknutschen, gehört für Jessa zum Leben so sehr dazu wie eine Tüte Eis zum Sommer. Ein Kuss bleibt doch immer nur ein Kuss, an eine vermeintliche Magie glaubt sie nicht. Ganz anders sieht es der Mädchenschwarm Quinn Paxton, der für seine Bettgeschichten weit über die Schule hinaus bekannt ist, aber niemanden jemals küssen würde. Kein Wunder, dass zwischen den beiden Gegensätzen die Funken sprühen, wenn sie sich über den Weg laufen. Als sich während der Sommerferien dann auch noch herausstellt, dass Quinn der neue Angestellte in der Pension von Jessas Tante ist, bebt der Boden unter Jessas Füßen. Eigentlich hat sie genug eigene Probleme, als dass sie sich auch noch über einen dahergelaufenen Herzensbrecher Gedanken machen könnte, aber irgendetwas zieht sie immer wieder zu ihm…

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Ich habe wirklich damit gerechnet, dass mir in diesem Buch einige Klischees begegnen werden, aber glücklicherweise hat sich die Anzahl dann doch in einem für mich annehmbaren Rahmen gehalten. Was jedoch anscheinend unvermeidbar war, war die Art, wie die zwei Hauptpersonen aufeinandergetroffen sind. Er rempelt sie an und sie verschüttet daraufhin ihren Drink - klischeehafter geht es kaum und natürlich verletzt sie sich auch noch, so das er sich um sie kümmern muss, damit sie nicht "seinen Teppich volblutet". Charmant wirklich. Nein, natürlich nicht. Quinn benimmt sich am Anfang wie ein richtiger Arsch, zumindest der Teil, der für alle offensichtlich einsehbar ist. Der Bad Boy eben, der nicht fehlen darf, aber wer jetzt denkt Jessa ist ein Mauerblümchen täuscht sich gewaltig. Es stimmt, sie hat nur eine beste Freundin und die Leute an ihrer High School gehen ihr manchmal aus dem Weg, aber das ist ihr alles ziemlich egal. Sie ist selbstbewusst, stoisch und muss immer das letzte Wort haben - zumindest kann sie nicht verhindern, ihren Mund aufzureißen, wenn sie unbedingt noch etwas loswerden will. Aber sie hat auch eine nicht ganz einfach Vergangenheit und ihre ganz eigenen Zweifel und Unsicherheiten plagen sie. Ihre Mutter ist gestorben als sie zehn war, wie man ziemlich schnell erfährt - ein Thema, dass das ganze Buch hindurch eine wichtige Roll spielt und sowohl Jessa, als auch den Leser begleitet - und seitdem zieht ihr Vater sie und Felix allein groß.

Felix ist ihr kleiner Bruder und ein etwas "besonderer" Junge, auf den ersten Blick total normal, aber er hat mit Anfällen zu kämpfen, in denen er manchmal sehr emotional wird und seine Gefühle nicht mehr unter Kontrolle hat. Aber alles in allem ist er ein süßer kleiner Junge, den ich sofort in mein Herz geschlossen habe und die Szenen mit ihm sind immer allerliebst. Jessa und ihr Bruder sind zwei Personen, zu denen ich sofort einen guten Zugang bekommen habe, besonders zu Jessa. Sie sind realistisch dargestellt und haben ihre guten und schlechten Seiten, sowie ihre Talente und Macken. Jessa beispielsweise ist eine begnadete Künstlerin/Zeichnerin.

Aber dann gibt es auch noch Quinn. Er gibt quasi kein Kapitel, in dem er nicht vorkommt, aber ich habe auch nichts anderes erwartet und mir ehrlich gesagt auch nichts anderes gewünscht. Ihn habe ich nicht von Anfang an durchschaut, aber das hat sich ziemlich schnell geändert und so konnte ich auch ihn gut kennenlernen. Sein Talent für die Musik, seine charmante, manchmal auch anzüglich, und lustige Seite. Aber auch seine Probleme, die ihn belasten.

"Man kann nicht immer entscheiden, wann einem der Boden unter den Füßen weggerissen wird."
- Quinn


Jedenfalls beginne die Ferien und Jessa und ihr Bruder sind bei ihrer Tante - ihr Vater ist Zuhause geblieben - und an einem der ersten Tage steht tatsächlich Quinn an der Rezeption der Pension ihrer Tante und teilt ihr mit, dass er den Sommer über hier arbeiten und wohnen würde. Jessa fällt aus allen Wolken, gab es nämlich immer noch diese eine kleine Sache, dass sie ihm mehrere Gefallen schuldig ist, weil sie nicht auf seine Gitarre Acht gegeben hat und diese nun nur noch ein Haufen Brennholz ist. Sie arbeiten nicht nur in der Pension zusammen sondern treffen sich auch Außerhalb immer wieder und da ist es nur logisch, dass diese zwei starken Persönlichkeiten aneinander geraten. Im guten Sinne natürlich. Sie kommen sich näher, werden doch tatsächlich so etwas wie Freunde und der Sommer nimmt seinen Lauf.

Besonders gut gefallen haben mir die Nebencharaktere und die Geschichte an sich.  Sie sind mir durchaus sympathisch, aber mit Kendras Art und Quinns Schwester hatte ich etwa zu kämpfen. Wohingegen ich Fin und Brady toll finde, so unterschiedlich die beiden auch sind.

An der Geschichte kann ich positiv hervorheben, dass es sich nicht nur um Quinns und Jessas Beziehung zueinander gedreht hat, sondern ihre Probleme mindestens zu gleichen Teilen im Vordergrund stehen. Der Grund, warum Quinn überhaupt dort ist. Und der Grund, warum Jessas Vater nicht mit ihnen gefahren ist. Alles Fragen, die eine Antwort verlangen. Quinns und Jesssas Nerven und Gefühle werden ganz schön auf die Probe gestellt, bei den ganzen Antworten und Wahrheiten, die diesen Sommer auf sie warten. Das hat mir am besten gefallen an der Geschichte: Es gibt nicht dieses eine große Drama zwischen den beiden Hauptfiguren, das sie erst auseinander und später wieder zusammen bringt - ich will nicht lügen, Drama gibt es genug - aber hier, in diesem Buch, wird das Hauptaugenmerkt auch darauf gelegt, dass sie sich gegenseitig helfen ihre familiären Probleme zu lösen.

"Worte besaßen vielleicht die Macht die Welt zu verändern, aber letzten Endes waren es immer die Taten, die Menschen zusammenschmeißen." 

Das einzige, dass mich etwas wurmte war, dass an einer Stelle gesagt wurde, dass Jessa ihrer Mutter überhaupt nicht ähnlich sieht und an einer anderen konnte sie plötzlich nachvollziehen, warum mache sagen, dass sie ihrer Mutter ähnlich zieht. Aber das ist eine minimale Anmerkung, die das Leseerlebnis überhaupt nicht beeinflusst hat.

Die Geschichte strotzt nur so vor Sarkasmus und Humor, der mich an manchen Stellen wirklich in Gelächter hat ausbrechen lassen, vor allem der Mitternachtszirkus - was es damit auf sich hat, erfahrt ihr alles im Buch - und das Trinkspiel gehören, wie ich finde, zu den Höhepunkten des Buchs. Der Schreibstil der Autorin konnte mich deswegen überzeugen, da das Lesen einfach und flüssig von der Hand ging und ich das Buch in wenigen Tagen verschlungen habe. Eine gute Geschichte allein reicht dazu nicht.

Fazit

Ein Liebesroman, wie ich ihn schon lange nicht mehr gelesen habe. Er hat mich gefesselt und mitfühlen lassen. Hat mich an vielen Stellen zum lachen gebracht und Jessa und Quinn in mein Herz schließen lassen. Aber vor allem hat er mir gezeigt, wie glücklich sich Familien schätzen können, bei denen alles in Ordnung ist. Bei denen kein Elternteil gestorben ist und ein Elternteil die Kinder allein großziehen muss. Und bei denen der Haussegen nicht schief henkt.

Ich vergebe 4,9 von 5 Muscheln für dieses Buch.

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