Mittwoch, 26. Oktober 2016

Rezension: Vierzehn

Autor: Tamara Bach
Verlag: Carlsen
Preis: 13,99€ [Hardcover], 9,99€ [Ebook]
Buchlänge: 112 Seiten [Hardcover]


Der erste Schultag. Zwei Wochen vor den Sommerferien ist Beh krank geworden und konnte nicht mit den anderen in den Urlaub fahren. Als das neue Schuljahr anfängt, hat sie alle acht Wochen lang nicht gesehen. Viel ist passiert, ihre Freundinnen haben neue Leute kennengelernt und Geschichten zu erzählen. Beh dagegen war nur zu Hause. Aber eigentlich war da mehr, von dem ihre Freundinnen nichts wissen. Zu Hause liegt eine Postkarte für sie im Briefkasten, in der Stadt gibt es ein Zimmer mit blauen Wänden, da ist ein Hund, ein Mädchen mit Schwimmflügeln und lauter Orte, die Beh bis zum Abend noch fotografieren wird, weil ihnen etwas fehlt. Und als Beh am Ende des Tages ihre Zimmertür schließt, hat sie auch jemand bei ihrem vollen Namen genannt.

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"Vierzehn" ist anders. Anders, als die Bücher, die ich sonst so lese. Nicht nur wegen der Seitenanzahl, die gerade einmal etwas mehr als einhundert Seiten beträgt, sondern vor allem wegen seiner Schreibweise und ja, teilweise auch wegen seinem Inhalt. Lasst mich das euch erklären.

Der Klappentext klingt nach einem ganz normalen Jugendbuch und das ist es im Grunde genommen auch, aber entgegen meiner Annahme wird in diesem ganzen Buch wirklich nur ein einziger Tag geschildert. Der erste Tag nach den Sommerferien. Der erste Tag der neuen Klasse. Der Tag, an dem Beh ihre Freundinnen das erste Mal wieder nach acht Wochen sieht. Ich hätte noch weitere Bezeichnungen, aber die spare ich mir lieber. Jedenfalls fängt für Beh ein neuer Tag an und der hält, meiner Meinung nach, auch die ein oder andere Erkenntnis für sie bereit. Von den offensichtlichen einmal abgesehen, denn Beh wird an diesem Tag noch etwas erfahren, dass ihre kleine Welt erst einmal aus seinen Fugen geraten lässt. Aber der Tag hält auch schönes bereit.

Jede Kleinigkeit wird geschildert. Und ich habe am Ende des Buchs einen Einblick in Behs Leben bekommen, der mir nur zu bekannt ist, bis auf das meine Familie nicht so zerrüttet ist, wie ihre. Ein ganz normaler Tag. Aufstehen, fertig machen, zu Schule gehen, den Unterricht absitzen, nach Hause gehen und den Nachmittag verbringen. Jeder kennt es und genau deswegen konnte ich mich gut in Beh hineinversetzen. Man könnte meinen, dass es langweilig wäre den Tag von jemand anderes mitzuerleben. Aber ich hatte zu jeder Zeit das Bedürfnis weiterzulesen. Ich wollte hinter die Geheimnisse kommen, die ständig angedeutet wurden.

Aber so eine kurze Zeitspanne hat natürlich auch seine Nachteile. Ich habe noch einige Fragen zu Behs Leben, die ich nun nicht beantwortet kriege. Was wird aus ihr und ihren Freundinnen, die, wie ich finde, nicht wirklich zu Beh passen. Wie geht sie in Zukunft mit der neuen Familiensituation um?
Ich finde es schade, dass ich auf diese Fragen keine Antworten bekomme. Aber wahrscheinlich ist auch das von der Autorin gewollt.

Eine weitere Besonderheit dieses Buches ist ganz klar der Schreibstil. Jeder, gefühlt, zweite Satz beginnt mit dem Wort "Du", manchmal mehr, manchmal weniger, aber das Buch ist definitiv von diesem Wort geprägt. Am Anfang war es etwas gewöhnungsbedürftig, aber nach den ersten zehn Seiten hatte ich mich daran gewöhnt und es ist mit teilweise gar nicht mehr aufgefallen. Aber auch die Gedankenführung war an manchen Stellen etwas verwirrend.

Dafür das "Vierzehn" mich erst etwas verwirrt hat mit seinem Schreibstil und seiner Geschichte, hat es mir am Ende noch erstaunlich gut gefallen. Die Geschichte ist mitten aus dem Leben eines Mädchens gegriffen, dass gerade die Pubertät durchlebt, und genau das finde ich so toll. Die Geschichte ist real und das kann ich nicht von jedem Buch behaupten.

Für dieses Buch vergebe ich 4 von 5 Sterne.

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