Samstag, 15. Oktober 2016

Rezension: Worte für die Ewigkeit

Autor: Lucy Inglis
Verlag: Chickenhouse (Carlsen)
Preis: 19,99€ [Hardcover]; 13,99€ [Ebook]
Buchlänge: 400 Seiten [Hardcover


Sommer in Montana, darauf hat Hope so gar keine Lust. Aber gegen ihre resolute Mutter kann sich die 16-Jährige einfach nicht durchsetzen. Und hier, mitten im Nirgendwo, auf einer einsamen Pferderanch begegnet sie Cal, der ihr Leben für immer verändern wird.
Montana 1867, die 16-jährige Emily ist auf dem Weg zu ihrem Ehemann, den sie nie zuvor gesehen hat. Doch die Kutsche, in der sie unterwegs ist, verunglückt und als einzige Überlebende wird sie von Nate gerettet - einem Halbindianer, der ihr zeigt, was Leben und Freiheit bedeutet.
Zwei große Liebesgeschichten, die auf schicksalhafte Weise miteinander verbunden sind.

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Dieses Schätzchen ist vor kurzem bei mir eingezogen und hat es direkt in meine Hände geschafft. Ich habe gedacht 400 Seiten? Mal sehen, wie lange du daran liest. Eigentlich nicht lange, aber dass ich das Buch in zwei aufeinander folgenden Tagen verschlinge, damit hätte ich nicht gerechnet. Aber das Buch hat mich einfach in seinen Bann gezogen. Ich bin vollkommen in die Welten von Emily und Nate und Hope und Cal eingetaucht. Ich habe jedes einzelne Wort in mich eingesaugt und dieses Buch genossen, wie schon lange keins mehr. Ich habe zwar in meiner letzten Rezension erst geschrieben, dass ich ein neues Lieblingsbuch hätte, aber anscheinend ist dieser Platz soeben wieder neu vergeben wurden. Worte für die Ewigkeit hat es mit seinen Worten in mein Herz geschafft und sich dort festgesetzt.

Diese Geschichte berührte mich und hat mich auf seinen 400 Seiten die verschiedensten Emotionen durchleben lassen. Ich habe gelacht und an manchen Stellen über Emily Unwissenheit lächelnd den Kopf geschüttelt. An anderen Stellen hätte ich sie am liebsten geschüttelt und gesagt, was Phase ist. Das konnte man ja nicht mit ansehen. Jeder hat gesehen, was sie für Nate empfindet, aber sie selbst nicht. Aber es waren auch andere Zeiten um 1867.
Nate finde ich richtig toll und hat es in diesem Buch zu meinem Lieblingscharakter geschafft. Ich mag seine Art, seinen Humor und die Art, wie er mit Emily umgeht. Wenn man an einen Indianer denkt, kommt einen vielleicht erst einmal das Bild eines Wilden in den Sinn, aber Nate ist ganz anders. Mit seinen klaren, offenen Gedanken und seinem verletzten, hinkenden Bein. Und er liebt Emily, eine Tatsache, die dem Leser sofort bewusst wird.

Und Hope? Ihre Mutter ging mir richtig auf die Nerven, aber ich glaube das hatte die Autorin beabsichtigt. Ich habe darauf gebrannt mitzuerleben, wie Emily endlich mal ihre eigene Meinung vertritt und ihrer Mutter die Stirn bietet. Sie ist schüchtern, aber nur für den ersten Moment und die Zeit, die sie mit Cal verbringt war wunderbar zu lesen. Das er sie mag war mehr als offensichtlich, aber wenn alles so einfach wäre, bräuchte man kein Buch darüber zu schreiben.
Denn Cal hat eine Vergangenheit, die ihm ziemliche Probleme bereitet, aber dennoch kommen er und Hope sich immer näher. . Aber man sollte nie seine Schlüsse über eine Person ziehen, bevor man nicht seine eigenen Erfahrungen mit ihr gemacht hat. Cal ist ein sehr netter junge vom Land, der aber wegen ebendieser Probleme die Schule abgebrochen und eine schlechten Ruf hat. Zudem macht die Familie Hart der Familie Crow das Leben schwer.

Warum? Das alles hat vor rund hundertfünfzig Jahren angefangen. Und wie das alles mit der Gegenwart zusammenhängt erfährt man alles in Emilys Geschichte. Ich weiß nicht welche der beiden mich mehr berührt hat. Aber ich bin mir ziemlich sicher, dass es letzten Endes Emilys war. Das Ende hat mich einfach umgehauen und meine Gefühle ziemlich in Aufregung versetzt. Man erfährt ziemlich schnell, wie das Leben damals so war und was für eine Position sie innehatte. Aber in der Natur bei Nate hilft ihr das nicht viel weiter. Sie lernt unglaublich viel neues und muss sich sehr abpassen, aber es gelingt ihr und sie macht eine gewaltige Wandlung durch. Das schüchterne kleine Mädchen gibt es am Ende nicht mehr.

Zwischendurch lernt man verschiedene Nebencharaktere kennen und von denen ich vor allem in der Vergangenheit Nates Familie sehr mochte, auch wenn sie sich nicht mit Emily sprachlich verständigen konnten, aber auch Anthony Howard Stanton, auf seine anständige Art und Weise. Wer das ist und was er für eine Rolle spielt erfahrt ihr, wenn ihr das Buch lest.
Und in der Gegenwart Cals Vater und die Polizistin Redfather. Nach einem Gespräch mit ihr hatte ich das Gefühl, dass wirklich alles miteinander verbunden ist in diesem Buch und wie die Autorin das hingekriegt hat, finde ich sehr beeindruckend.

Aber dieses Buch erzählt nicht nur eine Liebesgeschichte. Sie setzt sich auch sehr intensiv mit der Ausrottung der Bisons auseinander 25.000 in nur zwei Jahrzehnten, was für eine Tragödie. Die Autorin hat Wert darauf gelegt, dass der Leser das erfährt und ich muss sagen, das ich das Gefühl habe diese Zahlen nie wieder zu vergessen. Dieses Buch berichtet davon, was wir Menschen mit der "Neuen Welt" angerichtet haben. Wie es anfing. Mit den Eisenbahnen und der Veränderung der Umwelt. Um dieses Thema ging es die ganze Zeit, auch in der Gegenwart. Es verschwand nie und hat sich wie ein roter Faden durch das Buch gezogen. Und das die Autorin da so großen Wert drauf gelegt hat gefällt mir sehr gut. Wir sollten wissen, was wir angerichtet haben in der Vergangenheit, das beinahe zu der vollkommenen Ausrottung einer Rasse geführt hat.

Außerdem gibt es eine Frage, mit der sich die Mädchen immer wieder beschäftigen mussten. Wie will ich mein Leben lesen? Lasse ich mir vorschreiben, was ich zu tun und zu lassen habe, oder habe ich endlich mal den Mut und gehe meine eigenen Weg mit meinen eigenen Entscheidungen? Ich war gespannt auf die Entscheidungen, die Hope und Emily treffen würden, aber letztendlich war ich mit ihnen zufrieden und hätte selbst  ähnlich entschieden.

Ich glaube, dass ich noch seitenweise weiterschreiben könnte und doch nicht alles zum Ausdruck bringen könnte, wieso dieses Buch so ein Schatz für mich ist. Das Lesen ist sehr angenehm und die Seiten fliegen nur so dahin. Und dann ist man auch schon am Ende. Aber diese Geschichte hat mich so sehr begeistert und das mit all dem Schrecklichen, das passiert ist und was ich am liebsten geändert hätte. Aber das kann ich als Leser nicht und die Geschichte ist nun einmal wie sie ist. Ob das in meinem Herzen Leid verursacht oder nicht, ist egal. Für mich ist es herzergreifend auch wenn andere das anders sehen.

Für dieses wunderschöne Buch vergebe ich 5 von 5 Herzen.

PS. Bin ich die einzige, der aufgefallen ist, dass Anthony Howard Stanton, die gleichen beiden Vornamen hat, wie Anthony "Tony" Stark und Howard Stark aus den Marvel Filme. Ich glaube nämlich nicht an Zufall ;)

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