Samstag, 26. November 2016

Rezension: ein Himmel aus Lavendel

Autor: Marlena Anders
Verlag: Drachenmond Verlag
Preis: 12,90€ [Taschenbuch]; 3,99€ [Ebook]
Buchlänge: ca. 400 Seiten


Deine Seele gegen eine Gabe. Oder einen Fluch?

Es heißt, es sei gar nobel, sein Leben für das eines geliebten Menschen zu geben. Doch niemand hat davon gesprochen, wie es sich anfühlt, diejenige zu sein, die diese Bürde auf sich nimmt. Darf man eine solche Entscheidung bereuen?

Diese Frage stellt sich Emery in ihren dunkelsten Momenten. Denn weder ihre Mutter noch ihre Schwester wissen, auf was sie alles verzichtet, um ihnen ein normales Leben zu ermöglichen. Ein Fremder war es, der ihr für ihre Seele eine Gabe versprach – die Fähigkeit, in gefährlichen Situation wie ein Phönix in Flammen aufzugehen. Doch auch wenn der Phönix für neues Leben steht, bringt jede Verwandlung Emery einen Schritt näher an den Tod.

Um dies zu verhindern, macht sich Emery verzweifelt auf die Suche nach einer Möglichkeit, um den Handel rückgängig zu machen. Dabei soll ihr Nael helfen, der ihr eine Ausflucht aus ihrem alten Leben bietet. Aber ihm sind seine eigenen Dämonen dicht auf den Fersen …

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Emerys Fluch ist wirklich nicht einfach zu händeln. Die Angst nach jeder weiteren Verwandlung, so sehr sie sie auch zu vermeiden versucht, zu Stein zu werden und nur in der Nacht zu erwachen, lastet schwer auf ihren Schultern, aber genauso auch das Gefühl ihre kleine Schwester Amra zu belügen oder ihr zumindest nicht die ganze Wahrheit zu sagen. Emerys Leben ist also alles andere als einfach und sie versucht sich so gut wie möglich durchs Leben zu schlagen, aber das ist gar nicht so einfach. Alles richtig machen und trotzdem sein eigenes Leben zu leben. Denn genau diese Sachen scheinen nicht beide auf einmal möglich zu sein. Und so trifft Emery seit Jahren erstmals eine Entscheidung, die sie sich die Jahre zuvor nie getraut hat. Und die hat schwerwiegende Folgen.

Ich kann Emery verstehen. Ihr "Auftraggeber" Salys ist ein schleimiger, abstoßender Mann, der nur sein eigenes Wohl und Macht im Sinne hat und für ihre Situation verantwortlich ist. Er ist mir vom ersten Moment an unsympathisch und dieser Eindruck verstärkt sich während des Lesens nur noch. Und in einem selbstsüchtigen Moment, und für ihre Familie, versucht sie ihn zu überlisten. So mutig diese Entscheidung auch war, Emery scheint keinen Blick für Konsequenzen zu haben. Sie trifft Entscheidungen ohne vorher darüber nachzudenken, was passieren könnte, wenn nicht alles glatt läuft.

Aber zum Glück lernt sie zum richtigen Zeitpunkt Nael kennen. Er bietet ihr einen Unterschlupf, als sie nicht nach Hause kann, weil Salys sie dort suchen würde. Aber so uneigennützig ist Nael auch nicht. Er brauch Emery, um sich etwas zu holen, dass ihm wieder zu einem normalen Leben verhelfen würde. Nael ist ein Mann voller Geheimnisse. Wieso hat Emery in seiner Nähe immer wieder Visionen, wie sie von ihm ermordet wird? Wieso lebt er in einem verlassenen Haus? Beide sind sehr geschickt darin Fragen auszuweichen und sich zur Weißglut zu bringen. Aber genauso gut verstehen sie sich manchmal auf eine sehr freundschaftliche Weise. Ihr Verhältnis zueinander ist dementsprechend durchwachsen. Und ich bin ehrlich: Manchmal war es mir einfach zu viel hin und her. In der einen Szene scherzen sie noch miteinander, in der anderen schreien sie sich an und in der nächsten arbeiten sie schon wieder zusammen.

Außerdem war mir manches in dem Buch nicht ganz schlüssig. Den Anfang fand ich verwirrend und auch einige Szenen mittendrin. Zudem verstehe ich nicht, wieso Salys Amra nicht einfach als Druckmittel eingesetzt hat, um Emery aus ihrem Versteck zu locken? Es wäre doch so einfach gewesen.

Aber es gibt viel mehr, dass mir an diesem Buch gefallen hat. Erst einmal die äußeren Umstände. Die Kulisse erinnert sehr an Venedig mit seinen vielen Flüssen, Brücken und Gondeln. Außerdem tragen alle Menschen Masken, um ihre Emotionen besser vor anderen Menschen zu verstecken. Die Idee finde ich sehr schön. Masken verleihen dem ganzen etwas mysteriöseres und undurchschaubareres.
Die Charaktere, die Marlena geschaffen hat, sind vielfältig und haben alle ihre Schwächen und Stärken. Amra beispielsweise, Emerys Schwester, wird am Anfang als "zu ernst für ihr Alter" beschrieben, aber es gibt auch viele Stellen in der sie ganz Kind ist und mit ihrer Schwester scherzt und lacht.

Ich freue mich auf jeden Fall schon auf den zweiten Teil, weil am Ende noch einige offen geblieben sind. Wie geht es jetzt weiter? Wie wird sich Emerys und Naels Verhältnis entwickeln? Was wird aus Amra? Und wie konnten sie am Ende entkommen, wenn... (das verrate ich an dieser Stelle lieber nicht).

Ein gelungener Auftakt zu einer Reihe, die mir vor allem vor Augen geführt hat, dass man seine Entscheidungen immer genau überdenken sollte. Egal, ob man es für sich, einen Freund oder die Familie tut. Am Ende trifft man die Entscheidung immer selber und kann keinem anderen die Schuld für sein Leben geben.

Ich vergebe 4 von 5 Sterne


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