Sonntag, 11. Dezember 2016

Rezension: Schmetterlingsblau

Autorin: Sarah Nisse
Verlag: Drachenmond Verlag
Preis: 12,90€ [Softcover], 3,99€ [Ebook]
Buchlänge: 312 Seiten


„Und vergiss nicht, ihn zu küssen.“ Ihre Stimme war jetzt bloß noch ein Hauchen. „Schmetterlinge küssen nämlich nicht, Jade. Schmetterlinge lieben nicht. Sie fliegen bloß. Fliegen und fliegen…, bis sie irgendwann vergehen.“

Wie weiche Flügelteppiche legen sich die Schmetterlinge auf die Wiesen der Normandie. Alain kümmert es nicht, schließlich hat er soeben seine Eltern zu Grabe getragen. Doch dann trifft er Jade. Nur für einen Sekundenbruchteil streifen sich ihre Blicke durch das Hoftor einer alten Villa, dann verschwindet das blasse Mädchen mit den leuchtend blauen Augen wieder und Alain ist sicher, dass er sie nie wiedersehen wird. Denn niemand kennt die Mädchen der Villa Papillon. Niemand im Dorf wagt es, ihr Geheimnis zu lüften. Niemand, bis auf Alain. Doch wird es ihm gelingen, Jade vor ihrem traurigen Schicksal zu bewahren?


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Ein Mädchen mit einer Krankheit, die ihr das Leben nimmt, bevor sie es überhaupt leben kann. Und ein Junge, dem der Tob eben erst begegnet ist. Wie es diese Beiden es dennoch schaffen ihr Leben zu leben und dabei über Zweifel und das unvermeidliche, was die Zukunft bringt hinwegzusehen, wird in diesem Buch auf emotionale und schicksalhafte Weise beschrieben.

Ganz ehrlich? Ich war erst skeptisch, ob ich dieses Buch überhaupt lesen möchte. Der Satz auf dem Klappentext hat mich mehr als verwirrt. Aber ich habe es dennoch getan und ich bin froh darüber. Denn dieses Buch offenbart mir eine Welt, die so voller Schmerz und Zweifel und Verlust steckt, Menschen aber trotzdem, oder gerade deswegen, das Schöne in der Welt sehen. All das Schreckliche führt ihnen vor Augen, dass es darauf ankommt im hier und jetzt zu leben. Zu leben, so lange man die Chance dazu hat. Aber vor allem mit denen zu leben und seine Zeit zu verbringen, die einem die liebsten auf der Welt sind. Den Zeit ist kostbar. Diese Geschichte. Die Geschichte von Jade und Alain verdeutlicht das sehr gut. 

Der Prolog hat mich abgeholt und in die Geschichte hineingezogen. Ich musste nicht erst zwanzig Seiten lesen um das Gefühl zu haben wirklich an der Geschichte teil zu haben. Den Schreibstil finde ich von Anfang an perfekt. Es sind nicht nur aneinandergereihte Worte. Sie harmonieren zusammen, als wären sie dafür geschaffen und haben es so geschafft, dass Satz um Satz, Seite um Seite dahingeflossen ist und mich immer tiefer in eine Welt voller Schmetterlinge, Liebe, aber auch Schmerz entführt haben.

"Sie hat die süße Seite des Lebens geliebt, wahrscheinlich, weil sie die bittere nur allzu gut gekannt hat."

Ich habe die Charaktere kennen und lieben gelernt, zumindest die meisten. Jade lernt man als zurückhaltendes und regelbefolgendes Mädchen kennen. Ihr ganzes Leben hat sie in der Villa verbracht. Eingesperrt und von der Außenwelt getrennt. Bis es bei ihr Klick macht und sie eines Abends, unverhofft, Alain vor dem großen Gartentor steht.
Und Alain? Erst kürzlich hat er seine Eltern verloren und als er in sein Heimat, die Normandie zurückkehrt, fängt er auf einmal an seine bisherigen Entscheidungen in Frage zu stellen. Das Studium ist nicht das, was er will. Seine wahre Leidenschaft ist etwas ganz anderes. Und hinzukommt sein schwieriges Verhältnis zu seinem Großvater.
Aber es warten noch zahlreiche andere Charaktere auf einen, die einen im Laufe der Geschichte ganz schön überraschen. Madam Dupont, der Hausdrache der Villa, die doch nicht ganz so herzlos ist, wie es immer den Anschein hat? Guy Masson. Was verbindet ihn mit der Villa und ihren Bewohnern? Und welches Geheimnis hatte Alains Familie vor ihm verborgen?

Es werden gleich zu beginn jede Menge Fragen aufgeworfen und es kommen stetig neue hinzu. Aber ich kann euch sagen: Am Ende macht alles Sinn. Ach ja, dass Ende. Es hat mich ganz schön überrascht. Es rundet die Geschichte perfekt ab. Da ich mich kenne und weiß, dass ich an der ein oder anderen Stelle hätte meckern müssen, dass es zu schnell geht. Dass die Beziehung der Beiden zu forsch voranschreitet. Aber ich kann nicht, denn in diesem Fall passt es. Jade weiß, dass ihr nicht mehr so viel Zeit bleibt, wie sie gerne hätte. Aber dennoch schafft sie es so ein fröhlicher Mensch zu sein und die Dinge zu genießen, solange sie noch kann. Sie lässt sich nicht von ihrer Angst beherrschen und das finde ich sehr bewundernswert an ihrem Charakter.

"Jede Reise war irgendwann zu Ende. Jede Liebe Starb irgendwann. Wer etwas anderes behauptete, war ein Lügner. Oder ein Träumer."

Keine Ahnung, wie ihr das seht, aber ich bin dann doch lieber ein Träumer. Träume von anderen Welten. Welten, wie die von Jade und Alain.

Eine wunderschöne Liebesgeschichte, die ihre Höhen und Tiefen hat. Geheimnisse, die die Geschichte durchweg spannend gestalten und eine Aussage, die es in sich hat. Dieses Buch gehört definitiv zu den besten, die ich in diesem Jahr gelesen habe. Ihr wohnt ein Zauber inne, der mich begeistert und berührt hat. Und das Cover passt auch hervorragend dazu.

Ich vergebe 5 von 5 Schmetterlinge für diese wundervolle Geschichte!

1 Kommentar:

  1. Schöne Rezension :)
    Meine erscheint morgen früh auf https://trallafittibooks.com/

    Mir gefiel das Buch auch total gut.. <3

    Liebe Grüße,
    Nicci Trallafitti

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