Sonntag, 21. Mai 2017

Rezension: Kernstaub - Über den Staub an Schmetterlingsflügeln


Autor: Marie Graßhoff
Verlag: Drachenmond Verlag
Preis: 4,99€ [Ebook]; 19,90€ [Softcover]
Buchlänge: 975 Seiten

»Wir haben nach neuen Welten gesucht, aber keine gefunden. Also nahmen wir die unsere und versuchten, sie schöner und leuchtender zu machen. Doch je mehr Licht wir ihr gaben, umso tiefer wurden ihre Schatten.«

Mara hat vergessen, dass sie bereits seit Hunderten von Leben vor den Wächtern des ewigen Systems flieht. Durch den Mord an ihr wollen sie den Weg aller Seelen zur Perfektion ebnen.
Ihr Dasein wird in diesem Leben lediglich von ihrer immensen Angst vor Uhren bestimmt. Doch als die Wächter sie erneut aufspüren, um sie aus dem Kreislauf der Wiedergeburten zu tilgen, verschiebt sich das Gleichgewicht der Dimensionen: Uralte Erinnerungen kehren zurück, eine längst vergessene Liebe erwacht von Neuem und Kriege spalten den Planeten.
Und über allem schwebt die Frage: Wenn die ganze Welt dich hasst, würdest du dich trotzdem für sie opfern?

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Ganz ehrlich? Ich weiß nicht, wo ich anfangen soll. Dieses Buch ist so gewaltig und hat mich so gefangen genommen, dass ich das Gefühl habe keine passenden Worte zu finden. Es ist groß, dick, besitzt ein wunderschönes Cover und einen Inhalt, der einem den Atem nimmt. Und dabei war es lediglich der erste Band der Trilogie, die sich jedoch aus Platzgründen auf sechs Bücher verteilt.

Ich versuch jetzt einfach mal einen Anfang zu finden:

Das erste, was einem auffällt, wenn man die ersten Seiten zu Lesen beginnt, ist der besondere Schreibstil von Marie. In noch keinem anderen Buch ist mir so einer schon einmal begegnet. Zum einen ist es eine sehr bildhafte Sprache - als stände ich vor einer leeren, farblosen Leinwand und mit jedem Wort und jeder Seite, die ich gelesen habe, hat sie sich gefüllt. Aber das ist noch nicht das besondere, ihr haftete auch etwas poetisches an, das mich von der ersten bis zur letzten Seite fasziniert hat. Außerdem gibt es nicht nur eine schnöde Überschrift, wie man es aus zig Büchern kennt, sondern zu Beginn eines jeden Kapitels einen Spruch - allein durch diese Sachen hebt sich das Buch für mich von anderen ab und dann gibt es noch den Inhalt...

Meine Leinwand füllt sich also mit Farben und Formen, Personen und Seelen und es ist einfach unglaublich! Die Welt, die Marie geschaffen hat kann ich selbst jetzt, nach dem Ende des Buchs, noch nicht richtig greifen, einfach, weil sie so gewaltig ist. Das System in all seinen Einzelheiten ist ziemlich komplex und ich gebe zu, dass ich einige Erklärungen zweimal lesen musste, um sie zu verstehen, aber das macht es für mich umso interessanter. Ich ziehe meinen Hut vor Marie, ich glaube nicht jede/r Autor/in hätte sich an so ein gewaltiges Projekt mit einer so besonderen Geschichte gewagt.

Zu der Geschichte will ich eigentlich gar nicht so viel sagen, denn würde ich einmal anfangen, könnte es passieren, dass ich nicht wieder aufhören kann und das will ja nun wirklich keiner. Aber ich kann euch sagen, dass sie euch fesseln wird. Die Charaktere sind unglaublich unterschiedlich und abwechslungsreich, haben ihre Vergangenheit, sowie düstere und helle Seiten an sich. Das gilt vor allem für Mara, Juan und Glen, wobei diese natürlich auch die größten Rollen dieses Buchs spielen.

Und die Handlung, nun, die schreitet voran und voran und ich habe keine Ahnung, worauf sie hinauslaufen wird. Noch nicht einmal eine Ahnung. Ganz anders, als bei anderen Büchern: Dort gibt es einen Bösewicht, der besiegt werden muss, den Jungen, in den man sich verliebt, die Aufgabe, die es zu bewältigen gibt, welcher Art auch immer. Aber hier bei diesem Buch herrscht große Unwissenheit in meinem Kopf. Aber ich lasse mich drauf ein und das muss man auch tun, wenn man sich diesem Buch annimmt. Es ist keine leichte Lektüre, kein Buch für Zwischendurch, das man mal nebenbei liest. Deswegen habe ich mir alle Zeit der Welt für dieses Buch und seine unglaubliche Geschichte genommen. Weil ich mich ganz darauf einlassen wollte und das ohne Ablenkung oder Unterbrechung.
Ich habe dieses Abenteuer mit Mara begonnen, habe eine neue, eigentlich alte, Welt betreten, die faszinierend und schrecklich zugleich ist und will ihren Weg auch weiterhin verfolgen. Ich habe Juan kennengelernt und die Last der Erinnerungen gespürt. Und ich habe Glen kennengelernt, ein Person, die ich absolut nicht durchschaue und sich zu einer meiner Lieblingsfiguren entwickelt hat.

Ich habe das Gefühl noch so viel mehr über dieses Buch erzählen zu können, aber um das alles zu verstehen, muss man das Buch eigentlich selbst lesen. Selbst in die Welt eintauchen, die diese wunderbare Autorin geschaffen hat. Und ich bin so verdammt dankbar, dass sie sie mit uns teilt.

Es würde nichts weiter bringen, wenn ich euch sage, was für ein unglaublich tolles Gefühl es war, als ich Seite um Seite von "Kernstaub" gelesen habe. Man muss es selbst erleben und ich lege es jedem ans Herz, der sich einfach nur mitreißen lassen will. Mitreißen in eine Welt, die eigentlich hoffnungslos ist, aber dennoch welche zu finden ist. Jeden, der jede einzelne Facette der Charaktere kennenlernen will. Und jedem, der nach einem Epos sucht, der einen daran erinnert, warum man so gerne liest.

Kernstaub ist nicht einfach nur ein Buch, eine Geschichte, die erzählt wird. Kernstaub ist mehr. Es ist viel mehr und ich bin sehr gespannt, wohin mich die Reise noch führt.


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