[REZENSION] Ein Fiebelkorn

Ein Fiebelkorn | Matthias Lanin | Divan Verlag | 8,99€ [eBook] | 15,90€ [Taschenbuch] | ISBN: 978-3863270445 | 266 Seiten | Amazon | Weltbild 

Als Johanna Lettmann 'Ja' zu Wilfried Fiebelkorn sagt, fällt ihr das leicht und was 'ewig' heißt, das weiß sie da noch nicht. Mehr als ein halbes Jahrhundert später steht dieses 'ewig' für eine große Liebe, die viele Hindernisse überwunden hat. Gemeinsam haben die beiden die Wirren von Flucht, Kriegsgefangenschaft, einem sozialistischen Regime und dem Mauerfall überstanden und auch den Tod einer gemeinsamen Tochter ausgehalten. Leise und unaufgeregt erzählen Johanna und Wilfried von dem Gewöhnlichen und Außergewöhnlichen ihres gemeinsamen Lebens, von ihrer Zärtlichkeit und Vertrautheit und von dem kleinen Glück ihrer übrigen Tage in Zweisamkeit.

--------------------------------------------------------------

Ohne das Spread and Read-Team wäre ich wohl nie auf dieses Buch aufmerksam geworden. Weder der Klappentext, noch das Cover sind besonders Aufmerksamkeit heischend. Und doch habe ich mich sofort dafür beworben, als ich davon gehört habe.

Leise und unaufgeregt“ heißt es im Klappentext. Und dem kann ich mich nur anschließen. Die Geschichte von Johanna und Wilfried wird mit einer Ruhe erzählt, die dem Leser die Lebensjahre vor Augen führt, die die beiden bereits hinter sich gebracht haben.

Abwechseln erzählen uns Johanna und Wilfried aus ihrem Alltag. Vom Alltäglichen. Und vom Älter werden. Und durch kleine Ausschnitte aus der Vergangenheit erfahren wir auch, was sie erlebt haben. Und natürlich geprägt. Krieg. Flucht. Trennung. Verlust. Aber ihre Geschichte erzählt auch von einer große Liebe und Familie. Es werden nicht nur die schönen und besonderen Ausschnitte aus ihrem Leben beleuchtet, sondern auch das, was nicht besonders toll war, ja sogar schmerzhaft. Was dazu geführt hat, dass sie nun die Menschen sind, die sie sind. 
In all den Jahren, die sie nun schon zusammen sind, haben Johanna und Wilfried gelernt sich zu ergänzen. Wenn sie mürrisch ist, ist er ihr Ruhepol. Wenn er Auto fährt, unterstützt sie ihn mit ihren Augen und Ohren. Ein halbes Jahrhundert mit ein und der selben Person zu verbringe ist nicht immer einfach. Aber es ist machbar, auch das zeigen sie uns. Besonders wenn das Alter als erschwerender Faktor langsam die Knochen schwer werden lässt und Gelenke nicht mehr ganz so geschmeidig sind, wie noch vor 40 Jahren.

Womit ich ein Problem hatte, war der Schreibstil, der mir vor allem am Anfang Kopfzerbrechen bereitet hat. Es hat lange gedauert, bis ist mich daran gewöhnt hatte, was meinen Lesefluss vor allem zu Beginn gehemmt hat. 
Hat man sich aber einmal daran gewöhnt passt auch der sehr gut ins Geschehen. Johannas und Wilfried Gedanken sind, wie Gedanken nun einmal sind. Durcheinander; manchmal ist es schwer ihnen zu folgen, manchmal ganz einfach. Es finden Gedankensprünge statt, wie es auch im richtigen Leben der Fall ist. Dadurch wirkt das ganze natürlich äußerst authentisch.

Und rein vom Äußerlichen her finde ich das Buch auch sehr passend gestaltet. Die Schlichtheit des Covers passt perfekt zum Inhalt des Buches. Man sieht ihm bereits von außen die Jahre an, die Johanna und Wilfried gelebt haben. Und das so ein Leben auch den ein oder anderen Stolperstein aufweisen kann.

Insgesamt ein sehr schöner Einblick in das Leben eines Paares, das bereits einiges erlebt hat. Authentisch und lebensnah erzählt Matthias Lanin von den großen und kleinen Erlebnissen. Von Freude und Leid. „Leise und unaufgeregt“ Ja, das trifft definitiv zu.

Keine Kommentare:

Kommentar veröffentlichen

Wenn du auf meinem Blog kommentierst, werden die von dir eingegebenen Formulardaten (und unter Umständen auch weitere personenbezogene Daten, wie z. B. deine IP-Adresse) an Google-Server übermittelt. Mehr Infos dazu findest du in meiner Datenschutzerklärung und in der
Datenschutzerklärung von Google .